
Vorbildlicher Umgang mit Tieren
Bundespräsident Rau würdigt die Preisträger des neuen Förderpreises der Allianz für Tiere in der Landwirtschaft
Berlin, Bonn, München im September 2003
Der Pro Tier-Förderpreis für artgerechte Nutztierhaltung geht 2003 an zwei ökologisch wirtschaftende Familienbetriebe in Baden-Württemberg, einen konventionellen Betrieb aus Niedersachen sowie einen ökologischen Fischzuchtbetrieb in Schleswig-Holstein. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wurde am 23. September 2003 übergeben.
Erstmalig wurde am 23. September 2003 der PRO TIER – FÖRDERPREIS FÜR ARTGERECHTE NUTZTIERHALTUNG vergeben. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde ausgeschrieben von der „Allianz für Tiere in der Landwirtschaft“, einem Zusammenschluss führender Organisationen im Bereich des Tierschutzes sowie des Umwelt- und Verbraucherschutzes. Gründungsmitglieder sind der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Deutsche Tierschutzbund, der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sowie die Schweisfurth-Stiftung.
Mit dem neuen Förderpreis sollen Betriebe in Deutschland prämiert werden, die – laut Ausschreibungstext – „ihrer mitgeschöpflichen Verantwortung gerecht werden und Vorbildliches leisten bei der Haltung, Zucht und Fütterung landwirtschaftlich genutzter Tiere“. Der Preis richtet sich mit seinen Tierschutz-, Umweltschutz- und Verbraucherschutzanliegen gleichermaßen an ökologisch wie konventionell wirtschaftende Betriebe.
Insgesamt wurden nach bundesweiter Ausschreibung 80 Bewerbungen eingereicht, aus denen eine unabhängige Fachjury vier Preisträger ausgesucht hat.
Der 1. Preis (4.000 Euro) geht an den Demeterhof der Familie Schmid im baden-württembergischen Westhausen (bei Aalen). Eine Besonderheit der dort praktizierten ökologische Geflügelhaltung ist die Verbindung von Zucht und Mast, wodurch die sonst üblichen Tiertransporte vermieden werden. Die Eintagsküken werden auf dem Hof aufgezogen und bleiben dort bis zur Schlachtung, die ebenfalls auf dem Betrieb stattfindet. Gehalten werden die 3.000 Legehennen in einem als besonders tiergerecht geltenden Volierensystem mit Wintergarten und Auslauf auf einer Weide, die Junghennen in Bodenhaltung ebenfalls mit Auslauf. Auf dem hundert Hektar großen Hof leben außerdem rund 1.700 Masthähnchen, Enten, Gänse und Puten sowie 24 Mutterkühe mit Nachzucht und 30 Mastschweine. Es werden langsamer wachsende Mastgeflügelherkünfte eingesetzt. Der Hof, der bereits seit 1984 dem Demeter-Verband angehört, vermarktet seine Produkte selbst über Wochenmärkte, Großküchen und den Naturkosthandel.
Ein 2. Preis (2.000 Euro) geht an einen konventionell wirtschaftenden Betrieb, der sich auf Schweinhaltung spezialisiert hat: Die Familie Duensing-Knop bewirtschaftet in Rodewald, 40 Kilometer nördlich von Hannover gelegen, rund 60 Hektar vorwiegend Ackerland. Auf dem Hof leben 45 Zuchtsauen und rund 350 Mastschweine in eingestreuten Ställen. Die Tiere haben ständigen Zugang zum Freien. Die tragenden Sauen können im Sommer eine großflächige und mit Bäumen bewachsene Wechselweide nutzen, auf der sich auch mehrere Suhlen befinden. Der Betrieb der Familie Duensing-Knop wirtschaftet seit 1994 nach den Richtlinien des Neuland-Verbandes, in dem sich konventionelle und ökologische Betriebe zusammengeschlossen haben, die besonders umwelt- und tiergerecht wirtschaften.
Ein weiterer 2. Preis (2.000 Euro) geht ebenfalls an einen Demeter-Betrieb in Baden-Württemberg. Die Familie Till bewirtschaftet seit 1988 den Mayer’schen Hof in der Nähe des Feldbergs im Schwarzwald: einen rund 60 Hektar großen Grünlandbetrieb auf 1.000 Meter Höhe. Neben einigen Milchziegen und Mastschweinen leben auf dem Hof 24 Milchkühe mit entsprechender Nachzucht und eigenem Stier in einem sehr tiergerecht gestalteten Boxenlaufstall (u.a. Boxen mit beweglichen Abtrennungen, trittsicherer Asphaltboden). Auch auf diesem Betrieb haben die Tiere ständigen Auslauf und im Sommer die Möglichkeit zum Weidegang. Eine Besonderheit des Mayer’schen Hofes sind die Bemühungen um den Erhalt einer vom Aussterben bedrohten Rasse. Gezüchtet wird die im Schwarzwald beheimatete Hinterwälderrasse, von der es in Deutschland nur noch wenige Exemplare gibt. Ein Bulle läuft in der Herde mit. Die Kühe werden nur einmal am Tag gemolken, die Kälber können bis zu vier Monate an ihren Müttern säugen. Eine weitere Besonderheit des Betriebes ist die Milchverarbeitung in der hofeigenen Käserei sowie die eigene Vermarktung der Milch- und Fleischprodukte über eine Erzeuger/Verbraucher-Gemeinschaft in Freiburg und ab Hof.
Schließlich erhält einen weiteren 2. Preis (2.000 Euro) ein ökologischer Fischzuchtbetrieb in Schleswig-Holstein. Die Teichwirtschaft Grambek der Familie Bothstede ist die erste und bislang einzige von Bioland zertifizierte Fischwirtschaft in Deutschland. In 44 naturnah gestalteten Teichen werden vorwiegend Karpfen, aber auch andere Fischarten wie Hechte, Welse oder Rotaugen in Polykultur gehalten. Die Besatzdichte ist deutlich geringer als in der konventionellen Fischzucht und dadurch dem natürlichen Futterangebot der Teiche angepasst. Nur in geringem Umfang wird zusätzlich Ausputzgetreide aus ökologischem Landbau an die Fische verfüttert. Die ökologische Fischzucht steht noch ganz am Anfang. Die Allianz für Tiere will mit der Preisvergabe auf dieses bislang vernachlässigte Feld der Tierhaltung aufmerksam machen.
Entscheidend für die Vergabe des Pro Tier-Förderpreises ist, dass auf den ausgezeichneten Höfen besonders tiergerechte Lösungen für die landwirtschaftliche Nutztierhaltung in der Praxis umgesetzt werden. „Mehr Tierschutz sollte ein gemeinsames Anliegen aller Landwirte sein; ganz gleich, ob sie ansonsten ökologisch oder konventionell wirtschaften“, erläutert die Allianz die Breite der Zielgruppe. „Das erwarten auch die Verbraucher von der Landwirtschaft.“
Das Anliegen der Allianz für Tiere in der Landwirtschaft wird auch von höchster politischer Stelle geteilt: Bundespräsident Rau hatte sich bereit erklärt, den PRO TIER-FÖRDERPREIS FÜR ARTGERECHTE NUTZTIERHALTUNG am 23. September 2003 persönlich auf dem Betrieb des 1. Preisträgers in Aalen-Westhausen zu übergeben. Aus Krankheitsgründen musste er kurzfristig seine Teilnahme absage. In einem Grußwort würdigt Bundespräsident Rau die Leistungen der Preisträger und die Arbeit der Allianz für Tiere an einer Verbesserung der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung.

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