
1. Betriebsbeschreibung:
Der in den oberbayerischen Alpen gelegene Hof der Familie Wasensteiner unterscheidet sich in Haltung und Zucht der Rinder deutlich von einem durchschnittlichen konventionellen Betrieb. Darüber hinaus ist er bestrebt, regionstypische bäuerliche Traditionen aufrechtzuhalten wie die Almwirtschaft und die Bergwaldnutzung. Auf dem Grünland werden weder mineralischer Stickstoff noch Herbizide flächendeckend eingesetzt. Ferner werden Streuwiesen im Vertragsnaturschutz bewirtschaftet.
2004 sind die Tiere aus der in Süddeutschland noch üblichen Anbindehaltung in einen neuen Milchviehlaufstall umgezogen, der als Muster für einen tiergerechten und arbeitswirtschaftlich optimierten Laufstall gelten kann: Der rund 800 Quadratmeter große Neubau wurde ausschließlich mit Holz aus dem betriebseigenen Wald und in viel Eigenarbeit gebaut.
Die Kühe bekommen mit einem vier Meter breiten Fressgang und rund drei Meter breiten Quergängen genügend Raum, um die in einer Rinderherde üblichen Rangauseinandersetzungen ohne Verletzungen ausüben zu können. Der Boden ist planbefestigt und mit einem mit feinem Quarzsand versehenen Kunstharzbelag gedeckt, der für hohe Rutschfestigkeit und guten Klauenabrieb sorgt. Ein Laufhof ist geplant. Die Einstreu in den Liegeboxen stammt zu 80 Prozent aus Berg- und Moorwiesen, die im Rahmen des Vertragsnaturschutzes gemäht werden. Jede einzelne seitliche Boxenabtrennung weist statt starrer Metallgitter bewegliche Abtrennungen auf sowie einen elastischen Nackenriegel. Die Seitenwände des Stalles können je nach Wind und Wetter weit geöffnet werden und sorgen zusammen mit dem breiten Lichtfirst für genügend Licht und optimale Luftverhältnisse bei jeder Witterung und Jahreszeit.
Die Kälber werden in den ersten zehn Monaten in diesem Stall in geräumigen Tiefstreubuchten in Gruppenhaltung untergebracht. Das Jungvieh ist im Sommer auf der Alm, die Milchkühe haben im Tal Weidegang.
Eine Besonderheit des Betriebes ist, dass die Kühe in der Laufstallhaltung nicht, wie sonst üblich, enthornt werden, – ohne dass dies bislang zu Verletzungen geführt hat. Dies zeigt, dass der Stall so konstruiert wurde, dass die Rinder Herdenauseinandersetzungen – ähnlich wie auf der Weide – austragen können, ohne dass rangniedrige Tiere dabei Schaden nehmen. Die große Ruhe in der Herde zeugt aber auch von einer guten Mensch-Tier-Beziehung.
Eine weitere Besonderheit auf dem Betrieb der Familie Wasensteiner ist die Zucht. Die eingesetzten Fleckvieh-Rinder sind robust und anpassungsfähig, was für den Erhalt der Alm- und Kulturlandschaft von Bedeutung ist. Die durchschnittliche Milchleistung auf dem Betrieb lag im vergangenen Jahr (während des Umzugs in den neuen Stall) bei immerhin 7.600 Kilogramm pro Kuh und dies bei einem durchschnittlichen Alter der Tiere von knapp sechs Jahren (5,9 Jahre; im Vergleich dazu liegt das durchschnittliche Lebensalter einer Milchkuh in Deutschland bei unter fünf Jahren). Spitzenleistungen bei der Milch sind auf dem Betrieb auch gar nicht erwünscht. Bei der Anpaarung mit den Bullen der Besamungsstation in Grub wird bewusst auf solche Linien geachtet, die nicht zu hohe Erstlingsleistungen sowie eine möglichst flach verlaufende Laktationskurve aufweisen. Ein weiterer züchterischer Aspekt ist das „Fundament“ der Tiere: die Gliedmaßen müssen für das steile und unwegsame Gelände auf der Alm geeignet sein.
Neben der reinen Fleckviehzucht spielt auf dem Betrieb der Familie Wasensteiner auch der Erhalt alter Haustierrassen bei der Zuchtauswahl eine Bedeutung. So wird bei manchen Kühen eine Anpaarung mit Pustertalern vorgenommen – eine sehr robuste und widerstandsfähige Rinderrasse aus Südtirol, die mittlerweile vom Aussterben bedroht ist.
2. Gründe für die Juryentscheidung:
 | Aufrechthaltung regionstypischer bäuerlicher Traditionen (z.B. Almwirtschaft, Bergwaldnutzung). |
 | Ausrichtung der Züchtung auf vitale, fruchtbare und langlebige Kühe, die auch der traditionellen Berglandwirtschaft angepasst sind. |
 | Hervorragende Tierhaltung im besonders tiergerechten Laufstall mit behornten Kühen. |
 | Intensive Mensch-Tier-Beziehung. |
 | Sehr guter Gesundheitseindruck aller Tiere und auffallend ruhige Herde. |
 | Gute Milchleistung bei langer Lebensdauer der Tiere. |
3. Zahlen – Daten – Fakten:
Preisträger
Jakob Wasensteiner
Anbauverband
Konventionell wirtschaftend
Betriebsfläche
130 Hektar, davon 6 Hektar Ackerland, 63 Hektar Grünland, 61 Hektar Wald
Arbeitskräfte
3 (= 1 Vollzeitstelle)
Tiere
Rinder: 31 Milchkühe (Fleckvieh) mit 19 Kälbern und 40 Jungvieh (Aufstockung auf 40 Kühe geplant). Teilweise Anpaarung mit Pustertaler.
Milchleistung: 7.600 Kg/Jahr
Aufstallung
Milchkühe: Laufstall mit Tiefstreuboxen und planbefestigten Gängen (ohne Spaltenböden) mit Sommerweide. Tiere sind alle behornt.
Kälber: Gruppenbuchten mit Einstreu und Sommerweide im Obstgarten
Weibliche Nachzucht: Anbindehaltung im Winter, Alm im Sommer
Fütterung
Milchkühe: im Winter: Grassilage (60 %), Maissilage, Heu (10 %), betriebeigenes (10 %) und zugekauftes Kraftfutter (10 %); im Sommer: Weide oder frisches Gras, Heu und Kraftfutter
Mastrinder: Grassilage (60 %), Heu (30 %) und Maissilage (10 %).
Verwendet wird nur inländisches Kraftfutter möglichst aus der Region; Soja und Mais aus gentechnisch verändertem Anbau wird grundsätzlich nicht eingesetzt.
Schlachttransport
Die Tiere werden von den Betriebsleitern selbst zur Dorfmetzgerei oder in einem nah nahegelegenen Schlachthof transportiert (Fahrzeit: max. 1 Stunde).
Vermarktung
Die Vermarktung der Milch erfolgt über eine Molkereigenossenschaft, die spezielle Bergbauernprodukte vermarktet.
4. Kontakt:
Jakob Wasensteiner
Wasenstein, 83661 Lenggries
Fon: 08042 / 8185, Fax: 08042 / 978665
wasia.stein@t-online.de


|