
1. Betriebsbeschreibung:
Der Erhalt alter landwirtschaftlicher Nutztierrassen, die in der heutigen Hochleistungslandwirtschaft kaum noch eingesetzt werden und vom Aussterben bedroht sind, steht im Zentrum des in Thüringen gelegenen Betriebes der Familie Pößel. Ein Engagement, das bereits vor über 30 Jahren noch zu DDR-Zeiten begann. Anfang der 70er Jahre kamen mit dem Kauf zweier Haflinger in der Rhön eher per Zufall auch die ersten Rhönschafe nach Schernberg, von denen es zum damaligen Zeitpunkt nur noch wenige Exemplare gab.
Gemeinsam mit zwei Mitstreitern gelang es der Familie Pößel, einige der letzten noch vorhandenen 50 reinrassigen Rhönschafe aufzukaufen. Auf privater Basis begann dann 1973 die Zuchtarbeit für das Rhönschaf, was den staatlichen Stellen stets ein Dorn im Auge war. Denn das Zuchtbuch der Rhönschafe war vom Zuchtleiter der Tierzucht in der DDR längst geschlossen worden. Rassen wie das Rhönschaf, die sich weniger zur Wollgewinnung eignen, durften offiziell nicht weiter gezüchtet werden. Dennoch gelang es Pößel und seinen Kollegen, über das Studium alter Literatur Zuchtkriterien für das Rhönschaf wieder zu erarbeiten und sogar ein Zuchtbuch neu zu eröffnen. So konnten im Laufe von 30 Jahren 7 Bocklinien und 15 Mutterlinien aufgebaut werden, so dass der Bestand an Rhönschafen inzwischen als gesichert gilt.
Auf dem Hof der Familie Pößel wird zurzeit mit 70 gekörten Böcken, 800 Mutterschafen im Herdbuch sowie 200 Lämmern züchterisch gearbeitet. Die Tiere werden v.a. in der Landschaftspflege eingesetzt. Über 300 Hektar Streuobstwiesen, Kalkmagerrasen, Feuchtwiesen, Orchideenwiesen, Grünland sowie Ödland, Gräben und Wege werden von Schafherden nach einem mit den Naturschutzbehörden abgestimmten Plan beweidet: eine unverzichtbare Voraussetzung dafür, den ökologischen und ästhetischen Wert der thüringischen Landschaft im Kyffhäuserkreis zu erhalten.
Neben dem Rhönschaf werden auf dem Hof zahlreiche weitere bedrohte Nutztierrassen gehalten und weitergezüchtet; so etwa bei den Rindern das Harzer Rotvieh, bei den Schweinen das Deutsche Sattelschwein, bei den Ziegen die Erzgebirgsziege sowie eine Vielzahl an Hühner-, Enten- und Putenlinien, die meist früher einmal in Thüringen gehalten wurden. Seit 1998 ist der Betrieb als erster (von mittlerweile zwei Höfen) in Thüringen durch die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) e.V. als „Arche-Hof“ anerkannt.
Der züchterische Erfolg hängt auch mit der besonders artgerechten Haltung der Tiere zusammen: Sämtliche Tiere auf dem Arche-Hof werden auf Stroh gehalten, jedes Tier hat genügend Platz, und mit Ausnahme zweier Wintermonate haben alle Tiere Auslauf bzw. Weidegang. Der Betrieb der Familie Pößel ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie der Erhalt alter Tierrassen mit dem Erhalt von Natur und Landschaft Hand in Hand gehen kann – und dass Landwirtschaft, wenn sie sich ihrer kulturerhaltenden Aufgaben bewusst wird, auch unter ökonomischen Gesichtspunkten „Sinn macht“.
2. Gründe für die Juryentscheidung:
 | Jahrzehntelanges Engagement des Betriebsleiters (noch zu DDR-Zeiten) für den Erhalt des ehemals stark gefährdeten Rhönschafs. |
 | Der gelungene Versuch, mit vom Aussterben bedrohten Haustierrassen einen rentablen Landwirtschaftsbetrieb zu führen. |
 | Alte Haustierrassen herdbuchmäßig zu züchten und damit zu erhalten und weiterzuentwickeln. |
 | Spezielle landschaftspflegerische Tätigkeiten, mit denen die Lebensqualität im ländlichen Raum des Kyffhäuserkreis erhöht wird. |
 | Intensive Öffentlichkeitsarbeit (u.a. durch Aufbau eines Schäferei-Museums). |
 | Wiederaufbau eines funktionierenden bäuerlichen Familienbetriebs in der ehemaligen DDR. |
3. Zahlen – Daten – Fakten:
Preisträger
Elisabeth und Udo Pößel
Anbauverband
Konventionell wirtschaftend (anerkannter „Arche“-Betrieb)
Betriebsfläche
376 Hektar, davon 30 Hektar Ackerland, 225 Hektar Grünland, 31 Hektar Ödland (genutzt für Hutungen), 90 Hektar sonstige genutzte Flächen, Wege und Gräben
Arbeitskräfte
6 (= 4,1 Vollzeitstellen); Ausbildungsbetrieb für Schäfer
Tiere
Rinder: 5 Mutterkühe, 5 Kälber und 1 Jungvieh (Rotes Höhenvieh)
Schweine: 2 Eber, 3 Sauen mit Nachzucht (Deutsches Sattelschwein), 5 weibliche Zuchtläufer
Geflügel: 40 Legehennen, 4 Hähne, 20 Junghennen, 100 Aufzucht (Thüringer Barthühner silbergetupft), 20 Zuchtenten (Pommernenten), 15 Zuchtgänse (Steinbacher Kampfgänse), 30 Zuchtputen (Gröllwitzer Puten, Kupferputen), 30 Thüringer Kröpfer
Schafe: 800 Mutterschafe, 70 Böcke, 200 Zuchtlämmer (Rhönschaf)
Ziegen: 10 Mutterziegen, 3 Böcke (Erzgebirgsziege)
Esel: 1 Bulgarischer Esel (weiblich)
Pferde: Thüringer Kaltblutpferd, 2 Stuten, 1 Fohlen
Hunde: Altdeutsche Hütehunde (schwarz getiegert), Deutsche Schäferhunde
Aufstallung
Rinder: Eingestreuter Offenstall mit Auslauf
Schweine: Eingestreuter Offenstall
Geflügel: Ständiger Grünauslauf mit Bademöglichkeit für Wassergeflügel
Schafe und Ziegen: Stallhaltung im Winter, Weidehaltung im Sommer
Pferde: Ständiger Weidegang
Fütterung
Mutterkühe: Gerstenschrot, Grassilage und Mineralstoffmischung
Sauen: Schrotmischung aus Gerste Weizen, Erbsen, Melasseschnitzel und Mineralstoffmischung
Mutterschafe: Getreideschrot, Heu oder Ebsenstroh, Gerstenstroh, Grassilage und Melasseschnitzel
Das Futter stammt zu 90 % aus eigenem Anbau.
Schlachttransport
Die Tiere werden von den Betriebsleitern selbst entweder zur Dorfmetzgerei oder einem nahe gelegenen Schlachthof transportiert (Fahrzeit: max. 30 Minuten).
Vermarktung
Die besten, gekörten Zuchttiere bleiben auf dem Hof, überzählige Zuchttiere werden an andere Züchtern verkauft. Nicht verkaufte Tiere werden Regionalvermarktern angeboten wie z.B. der Gastronomie und Selbstvermarktern. Zum Erhalt der Arten und Rassen Zuchttierverkauf über Internet.
4. Kontakt:
Elisabeth und Udo Pößel
Arche-Rhönschafhof
Hauptstr. 39, 99713 Schernberg
Fon: 036020 / 72797 (mobil: 0170 / 5643281), Fax: 036020 / 76877
archehof_poessel@t-online.de


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