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  Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Deutscher Tierschutzbund
Schweisfurth-Stiftung
Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)
 
Dr. Günter Postler und die Arbeitsgemeinschaft Rinderzucht auf Lebensleistung

 

1. Beschreibung der Aktivitäten:

 

Die Nutzungsdauer und Lebensleistung der Tiere in der Landwirtschaft wurde in den letzten zwei bis drei Jahren international von zahlreichen Zuchtorganisationen als Thema aufgegriffen. Grund hierfür sind die ständig zunehmenden Probleme bei der einseitigen Hochleistungszucht (erhöhte Krankheitsanfälligkeit), die zu einer starken Verkürzung der Nutzungsdauer und somit auch der Wirtschaftlichkeit geführt haben. Die heutige Nutzungsdauer einer Milchkuh in Deutschland liegt nur noch bei etwa 2,5 bis 2,7 Laktationen. Das durchschnittliche Alter der milchleistungsgeprüften Kühe beträgt knapp fünf Jahre.

 

Dies bedeutet für den Landwirt ökonomische und weitere Nachteile. So ergeben sich aus einer kurzen Nutzungsdauer höhere Aufzuchtkosten und ein geringerer Zuchttierverkauf. Der Selektionsspielraum zur Auswahl der Tiere, die in der Herde bleiben, wird immer enger, worunter die Zucht leidet. Durch die kurze Nutzungsdauer wird darüber hinaus eine starke Fluktuation in der Herde ausgelöst, was Umgewöhnungsstress für die Herde und den Betreuer nach sich zieht.

 

Die hohen Abgangsursachen für Milchvieh (80 % der Abgänge durch Fruchtbarkeitsstörungen, Eutererkrankungen, Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen) zeigen, dass inzwischen nicht mehr der Züchter entscheiden kann, wann welches Tier ausscheidet („unfreiwillige Selektion“). Die Tiere entscheiden aufgrund von Krankheiten oder Störungen sozusagen selbst (und oft schon sehr früh), wann ihre produktive Zeit beendet ist. Ein Ausweg aus dieser ebenso tierschützerisch wie ökonomisch fatalen Situation kann auf längere Sicht nur über gesunde, konstitutionsstarke und leistungswillige Tiere führen.

 

Vorteile einer hohen Nutzungsdauer und Lebensleistung sind:

 

Natürliche Leistungssteigerung mit zunehmender Zahl an Laktationen (mehr Kühe erreichen ihr Leistungsmaximum).
Höheres Futteraufnahmevermögen bei ausgewachsenen Kühen (höhere Grundfutterleistungen).
Geringere Erzeugungskosten pro Liter Milch durch sinkende Aufzuchtkosten ergeben sich.
Erhöhung der Selektionsmöglichkeiten vor allem auf der weiblichen Seite.
Weniger Wechsel und Stress im Stall (insbesondere bei behornten Herden) aufgrund geringerer Remontierung.
Geringere Behandlungskosten durch konstitutionsstarke Tiere.
Anstieg des Unternehmensgewinns durch steigende Deckungsbeiträge pro Kuh.

 

Bereits vor über 25 Jahren, hat die Arbeitsgemeinschaft Rinderzucht auf Lebensleistung gemeinsam mit ihren Schwesterorganisationen und aufbauend auf der Lebensleistungs-Zuchtstrategie von Prof. Dr. Dr. Frederik Bakels damit begonnen, die Rinderzucht wieder auf hohe Lebensleistung bei langer Lebens- und Nutzungsdauer der Tiere auszurichten. Ziel ist der Erhalt der Rinderzucht in bäuerlicher Hand durch die Zucht eines problemlosen, konstitutions- und leistungsstarken Milchrindes mit hoher Lebensleistung. Nicht die kurzatmige Höchstleistung frühreifer Kühe, sondern eine gesunde Dauerleistung von spätreiferen Typen mit flacher Laktationskurve und hoher Grundfutterleistung zeichnen die für den Züchter wirtschaftliche Kuh aus. Dahinter steht der Gedanke, dass eine Kuh mit einer sehr hohen Lebensleistung an Milch hierfür auch gesund und fruchtbar gewesen sein muss.

 

Nach der Gründung der Arbeitsgemeinschaft im Jahr 1983 mit einigen wenigen aktiven Züchtern, ist deren Zahl mittlerweile auf 260 Mitglieder gestiegen. Die Erfahrungen, der Arbeitsgemeinschaft für Rinderzucht auf Lebensleistung beruht auf anwendungsorientierter, praktischer Zuchtarbeit, die auf den Gründerbetrieben einen Zeitraum von über 30 Jahren umfasst. Die Arbeitsgemeinschaft verfolgt ein ganzheitliches Zuchtkonzept: Ihre Mitglieder werden nicht nur zu züchterischen Fragen im engeren Sinnen informiert und beraten; auch die Bereiche Haltung, Fütterung, tiermedizinische Behandlung sowie der Umgang mit dem Tier sind Themen, die in Form von Fachtagungen, Seminaren, Exkursionen sowie bei Betriebsberatungen bearbeitet werden.

 

In der Arbeitsgemeinschaft ist heute der überwiegende Anteil der Mitglieder ökologisch wirtschaftend. Die ökologischen Anbauverbände verfügen über kein eigenes Zuchtprogramm, welches die besonderen Bedürfnisse dieser Wirtschaftsweise berücksichtigt. Die Arbeitsgemeinschaft versucht, diese Lücke wenigstens teilweise zu schließen. Sie ist die größte und älteste Organisation, die ein Zuchtprogramm bietet, welches ökologisch wirtschaftende Milchviehbetriebe in die Lage versetzt, auch im Bereich der Tierzucht die Prinzipien des ökologischen Landbaus zu berücksichtigen. Entsprechende Zuchtprogramme wurden für die Rassen Schwarzbunt und Holstein Friesian, Fleckvieh, Braunvieh und Gelbvieh geschaffen.

 

Wissenschaftlicher Leiter und Geschäftführer der Arbeitsgemeinschaft ist seit über 20 Jahren (1984) Dr. Günter Postler, langjähriger Mitarbeiter von Prof. Bakels, dem Begründer der Lebensleistungszucht. Günter Postler hat den Aufbau der Arbeitsgemeinschaft und die Vernetzung ähnlicher Initiativen wesentlich mitgeprägt, sich aber auch in anderen Zusammenhängen Verdienste erworben insbesondere für die ökologische Tierzucht. So war er in Deutschland und der Schweiz maßgeblich an der Entwicklung eines Ökologischen Gesamtzuchtwertes (ÖZW) für Rinder und Schweine beteiligt: eine völlig neuartige Zuchtwertschätzung, die erstmals ökologisch relevante Zuchtkriterien wie Robustheit oder Lebensleistung berücksichtigt. Er leitete ein anwendungsorientierte Forschungsprojekte im Bereich Ökologische Tierzucht und Tierhaltung. Darüber hinaus ist Günter Postler seit Jahren im In- und Ausland aktiv in der Beratung und Schulung von Landwirten und Landwirtinnen in Fragen der Zucht, Haltung, Fütterung, Gesundheit und Management.

 

 

2. Gründe für die Juryentscheidung:

 

Neuer züchterischer Ansatz, der auf eine längere Lebenszeit der Tiere bei hoher Lebensleistung an Milch abzielt.
Etablierung dieses Konzeptes im bäuerlichen Bereich durch Überzeugungs- und Öffentlichkeitsarbeit.
Aufbau einer aktiven Arbeitsgemeinschaft und Vernetzung mit später entstandenen ähnlichen Initiativen im In- und Ausland.
Ganzheitliches Zuchtkonzept: Integration der Bereiche Haltung, Fütterung, tiermedizinische Behandlung und Umgang mit dem Tier in die züchterische Arbeit auf den Mitgliedsbetrieben.
Besonderer Einsatz von Dr. Günter Postler für die ökologische Tierzucht, u.a. durch Entwicklung und Anwendung eines „Ökologischen Gesamtzuchtwertes“.

 

 

3. Kontakt:

 

Dr. Günter Postler

Arbeitsgemeinschaft Rinderzucht auf Lebensleistung

Herrmannsdorf 7, 85625 Glonn

Fon: 08093 / 2866, Fax 08093 / 904749, Mobil: 0160 / 90726188

gpostler@aol.com

 

 







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