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1. Beschreibung der Aktivitäten:
Die Firma Freiland Puten Fahrenzhausen GmbH, Mitglied im ökologischen Anbauverband Biokreis, hat 1997 damit begonnen, eine ökologische Putenmast in Deutschland aufzubauen. Seit Beginn kooperiert sie mit dem Züchter Paul Kelly, der seit den 1970er Jahren eine eigene Putenrasse züchtet, die KellyBronze®-Pute, die sich besonders für die Freilandhaltung und die Fütterungsbedingungen des ökologischen Landbaus eignet. Der Züchter ist Mitgesellschafter der Freiland Puten Fahrenzhausen GmbH wie umgekehrt die GmbH durch den zentralen Einkauf der Küken und die Verteilung derselben auf Aufzucht- und später auf die Mastbetriebe exklusiv als deutsche Außenstelle der Zuchtfirma arbeitet. Vermarktet wird ausschließlich über den Naturkosthandel sowie über Feinkostgeschäfte und Metzgereifachbetriebe.
Was prädestiniert die KellyBronze®-Pute für den Öko-Landbau? – Die Zuchtziele für Derek Kelly, dem Vater von Paul, der sich mit der Zucht einer eigenen Linie gegen die gesamte Zuchtindustrie seiner Zeit stellte, waren und sind folgende:
 | Die Rasse muss vor allem eine herausragende Fleischqualität besitzen. Deshalb wurden Zuchttiere aus Oregon/USA mit alten schottischen Landschlägen gekreuzt. Die Zucht zielt auf langsam wachsende Rassen, bei denen die Fleischqualität über die Reife des Fleisches entsteht. Es handelt sich um sog. spätreife Tiere, deren Brillanz hinsichtlich der Fleischqualität ein gewisses Alter bedingt. Mit der KellyBronze®-Pute werden die von der EU vorgeschriebenen Mindestmastzeiten für Mastputen im Öko-Bereich deutlich überschritten. |
 | Die Rasse muss ohne Futtermittelzusatzstoffe auskommen. Es dürfen keine Hormone, Antibiotika und Wachstumsförderer eingesetzt werden. Außerdem werden bereits seit 1975 (!) alle tierischen Eiweißbestandteile aus der Futterration verbannt. |
 | Die Tiere müssen so robust und genügsam sein, dass sie sich ohne Einschränkungen im Freiland mästen lassen. Damals in den 70er Jahren ging es hauptsächlich um die Nutzung von Stoppelfeldern und übrigem Grünland, heutzutage stehen die Tiergesundheit sowie die verbesserte Futterverwertung im Vordergrund. Die Robustheit der Rasse hat es überhaupt erst möglich gemacht, dass Herden in der Größenordnung von 1.000 Tieren im Freiland gehalten werden können. |
Die Rasse bietet damit die Möglichkeit, die Bio-Geflügelerzeugung im ökologischen Landbau, wo man aufgrund der Genetik mit den herkömmlichen Rassen an Grenzen stößt, weiterzuentwickeln und auszubauen. Der Verbreitung dieser besonderen Putenrasse hält weiter an – und wurde durch die Aktivitäten der Freiland Puten Fahrenzhausen GmbH in Deutschland und Österreich initiiert, betreut und weitergeführt. So konnten in Deutschland 18 Mastbetriebe und in Österreich 14 Mastbetriebe für die Freilandhaltung von Bio-Puten gewonnen werden. Wurden zu Beginn 200 Tiere aufgestallt, sind es momentan knapp 60.000 Tiere pro Jahr.
Die von der Freiland Puten Fahrenzhausen GmbH organisierte Mast der KellyBronze®-Pute ist besonders extensiv. Die Besatzdichten im Stall und auf der Weide sind gering. Die Tiere haben auch im Winter einen ständig zugänglichen Auslauf. Die Schnäbel der Tiere müssen nicht, wie sonst üblich, kupiert werden. Die im eingestreuten Stall angebotenen Sitzstangen ermöglichen darüber hinaus, dass die natürliche Sozialordnung von ranghöheren und rangniedrigeren Tieren möglich ist. Damit kommt Ruhe in den Stall und Zufriedenheit in die Herde.
Da für die meisten der kooperierenden Mäster die Putenmast das dritte oder vierte Standbein des Betriebes ist, ist keiner dazu gezwungen, die Durchgänge in zu kurzer Abfolge aufeinander einzustallen. Ausreichend Zeit für Stall- und Weidehygiene steht jedem Betriebsleiter zur Verfügung, was eine wichtige Voraussetzung der Gesundheitsprophylaxe ist. Ausmisten, waschen, desinfizieren, Leerstehzeit – die Einhaltung dieser Abfolge ist notwendig und stellt einen wesentlichen Teil des Masterfolges der Betriebe dar.
Die Freiland Puten Fahrenzhausen GmbH hat in den vergangenen Jahren ein in sich schlüssiges und ökonomisch erfolgreiches Konzept im Öko-Geflügelbereich entwickelt und umgesetzt. Die Aufgaben der GmbH bestehen
 | in der Suche nach geeigneten Mastbetrieben (mit ausreichend Stallfläche und direkt angrenzendem Auslauf) sowie der Schulung der Betriebsleiter, für die Öko-Putenmast Neuland ist; |
 | im Aufbau einer entsprechenden Logistik für die Jungtiere; |
 | in der Suche nach möglichst nah liegenden Schlachthöfen; |
 | und nicht zuletzt im Aufbau des Marktes für das besondere Fleisch dieser Putenrasse. |
Die Freiland Puten Fahrenzhausen GmbH ist Dreh- und Angelpunkt dieses Systems: Tiere bester Genetik auf adäquate Mastbetriebe zu bringen, die professionelle und tierschonende Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung zu organisieren und über geeignete Vermarktungsstrukturen bestes Fleisch an aufgeklärte, kritische VerbraucherInnen zu bringen.
Trotz ökonomischer Nachteile für den Landwirt (verhältnismäßig lange Mastdauer bei verhältnismäßig geringem Mastendgewicht) sowie ökonomischer Nachteile für die abnehmende Hand (geringere Ausbeute und damit höhere Kosten für Transport, Schlachtung und Zerlegung) können auf allen Seiten ausreichende Margen erzielt werden, weil genügend Verbraucherinnen und Verbraucher bereit sind, die von Mensch und Tier geleistete Arbeit entsprechend zu honorieren.
2. Gründe für die Juryentscheidung:
 | Nutzung einer züchterischen, tierschützerisch und ökonomisch tragfähigen Alternative zur konventionellen Putenmast (durch den Einsatz langsamwachsender Herkünfte Reduzierung der verbreiteten Gesundheitsprobleme wie Beinschäden oder Kreislaufprobleme, dadurch auch eine herausragende Fleischqualität. |
 | Aufbau eines überzeugenden Markenfleischprogrammes (Premium-Produkte, Bio-Futter, Verzicht auf Futterzusätze, tiergerechte Haltung etc.). |
 | Besonders tiergerechte Haltung der Puten (extensiv mit ganzjährigem Weidegang/Grünauslauf, Sitzstangen im eingestreuten Stall, kein Schnabelkupieren der Küken). |
 | Sehr guter Gesundheitszustand der Tiere (z.B. kein Federpicken, kein Kannibalismus, keine Brustblasen, keine Skelettdeformationen). |
 | Geringe Transportverluste beim Schlachttransport. |
3. Kontakt:
Freiland Puten Fahrenzhausen GmbH
Gewerbering 4-6, 85777 Fahrenzhausen
Fon: 08133 / 99620, Fax: 08133 / 996262
info@freiland-puten.de, www.freiland-puten.de


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