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Dr. Brigitte Rusche

 

Impulsbeitrag von Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes

 

Seit den 60er Jahren werden landwirtschaftlich genutzte Tiere zunehmend intensiv gehalten. Auf diese Weise lassen sich die größtmöglichen Gewinne erzielen. Ein Schutz, so könnte man es provozierend formulieren, gilt vor allem dem Betreiber oder Halter der Tiere, weniger den Tieren und der Umwelt.

 

Der Gesetzgeber erlaubt, dass Tiere auf engstem Raum und in reizarmer Umgebung gehalten werden: Legehennen und Mastkaninchen in Käfigen, Milchkühe in Anbindehaltung, Schweine in Kastenständen und auf Vollspaltenböden. Solche Tierhaltungen gleichen Hochsicherheitstrakten und diese einzusehen, verweigert in der Regel der Betriebsleiter. Das sich dort abspielende Tierleid bleibt der Öffentlichkeit verborgen:

 

Die Tiere können einen Großteil ihres Verhaltens nicht ausleben. Erzwungenes Nichtverhalten führt jedoch zu Verhaltensstörungen, die sich in Stereotypien, Kannibalismus, Aggressionen oder Angst äußern können. Zudem führen tierwidrige Haltungssysteme zu schmerzhaften Veränderungen des Skeletts, zu Klauen- oder Fußballenentzündungen und Hautgeschwüren. Doch das Einzelschicksal spielt in der Masse kaum eine Rolle, wie die Kadaver elendig verendeter Tiere immer wieder dokumentieren.

 

Auch durch die Zucht werden erhebliche Leiden verursacht: Bei Hochleistungstieren werden sowohl ständige Entzündungen der Fortpflanzungsorgane, Beindeformationen und hohe Todesraten in Kauf genommen, wie auch die millionenfache Vernichtung unerwünschter männlicher Küken der Legehennenlinie pro Jahr.

 

In den letzten Jahren hat sich eine leichte Aufwärtsbewegung beim Tierschutz vollzo-gen: Mit dem Staatsziel Tierschutz wurde das Tierschutzrecht gestärkt, es wurden Anstrengungen unternommen, artgerechte Tierhaltung zu fördern, der Biosektor wurde ausgebaut und das Verbot der Käfigbatterien festgesetzt.

 

Eine Abkehr von den Agrarfabriken ist indes nicht erreicht: z.B. haben Betreiber von Legebatterien nicht umgestellt, sondern hoffen auf eine Verlängerung der Käfighaltung, in Sachsen-Anhalt und Brandenburg sind Schweinemastanlagen für je 80 000 Schweine geplant. Auch Ereignisse und deren Darstellung haben nicht zur Förderung artgerechter Tierhaltung beigetragen, wie z.B. Berichte über eine angeblich höhere Dioxinbelastung von Freilandeiern oder der Ausbruch der Geflügelpest in Asien und darauf folgenden Maßnahmen in Deutschland, die geprägt sind von Angst und falscher Risikowahrnehmung.

 

Die Bundesregierung ist gefordert, den Schutz landwirtschaftlicher Tiere weiter in den Vordergrund stellen. Dazu gehört, dass konsequent tierwidrige Haltungssysteme abgeschafft werden – wie z.B. der Käfig in jeglicher Form und mit welchem Namen auch immer. Tiere müssen im Haltungssystem ihr Verhalten und ihre Bedürfnisse zur Befriedigung ausleben können. Der Tierschutz-TÜV der Allianz für Tiere sollte bei der Beurteilung von Haltungssystemen herangezogen werden. Darüber hinaus muss eine Regelung zur Zucht erlassen werden, um Qualzuchten zu verhindern.

 

Gerade vor dem Hintergrund des jüngsten Fleischskandals muss das Leitmotiv zukünftiger Landwirtschaft eine bessere Qualität sein; damit verbunden ist auch eine tiergerechtere Haltung landwirtschaftlicher Tiere. Um auf dem Weltmarkt zu bestehen, ist nicht nur ein Außenschutz erforderlich, sondern vor allem Transparenz bei der Produktion, Aufklärung und eine Kennzeichnung, die den Verbraucher überzeugt und ihm ermöglicht, die bessere Qualität zu honorieren. Einen wichtigen Beitrag können dabei die Medien leisten.

 

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