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Dr. Georg Wedemeyer

 

Impulsbeitrag von Dr. Georg Wedemeyer, Redaktion des Magazins STERN

 

Im Medienalltag ist Massentierhaltung kein Thema. Die Realität der Hühner-KZs, der computergesteuerten Schweinemastställe und der riesigen Schlachthöfe wird von den Medien ebenso verdrängt, wie vom Rest der Gesellschaft. Mit unappetitlichen Bildern aus diesem Bereich lassen sich kaum Leser gewinnen. Ausnahme: Tiertranssporte.

 

Massentierhaltung wird für die Medien nur von Skandal zu Skandal wichtig. Dann allerdings muss es ganz schnell gehen. Dafür fehlen bei der kurzfristigen Recherche unideologische nüchterne Datenbanken und Sachverhaltsschilderungen seitens engagierter Tier- und Verbraucherschützer und Landwirte. Als Journalist hat man oft nur die Wahl zwischen nicht ernst zu nehmenden Eiferern und verlogenen Lobbyisten.

 

Dabei muss die Art der Informationen, die die Presse braucht, gar nicht immer spektakulär sein. Es muss nicht immer Blut fließen. Es könnte auch genügen, wenn zum Beispiel ein Bauer oder ein Schlachter mal Buch über die Einkaufs- und Verkaufspressionen führt, dener er ausgesetzt ist. Authentizität ist das Stichwort.

 

Ein Grund für immer neue Skandale ist, dass die alten nie wirklich aufgearbeitet werden. Jahrelang beispielsweise hat Deutschland geleugnet, ein BSE-Problem zu haben. Dann war im Jahre 2000 BSE plötzlich da – und keiner hat wirklich nachgeforscht, wer an der späten Aufdeckung schuld war. Wer konnte uns wie und warum so lange getäuscht? Die Frage wurde bis heute nie ernsthaft gestellt und erst recht nicht beantwortet. So kann es kommen, dass die Schuldigen an alten Skandalen ganz plötzlich zu Helden der neuen Ära werden.

 

Ähnliche Tendenzen gilt es beim jetzigen Fleischskandal zu vermeiden. Nichts gegen Systeme wirtschaftlicher Eigenkontrolle. Aber Vorsicht vor Bemühungen der Fleischwirtschaft, sich quasi an die Spitze der aufklärerischen Bewegung zu setzen. Mir scheint, dass hinter der Sache mehr System steckte, als die jetzt noch vorne geschobenen „Schwarzen Schafe“.

 

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