
von Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrter Bundesminister Seehofer,
liebe Preisträgerinnen und Preisträger,
sehr verehrte Damen und Herren,
Als besonders preiswürdig stufte die Jury der Allianz für Nutztiere auch den Gäa-Betrieb Ökohof Kuhhorst ein. Der vom Mosaik-Verein getragene Hof fördert die Berufsbildung behinderter Menschen, indem er 70 Ausbildungs- und Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und in der Verarbeitung der hofeigenen Erzeugnisse bietet. Zudem lädt Kuhhorst jedes Jahr Jugendliche aus der ganzen Welt zu einem multinationalen Workshop-Camp auf dem Hof ein. Es geht darum, Mitarbeitern und Gästen nicht nur oberflächlich den Ökolandbau vorzuführen, sondern ihnen ein vertieftes Wissen und direkte Erfahrungen in der Landwirtschaft zu vermitteln.
Für den BUND als Umweltverband leistet der Hof gleichzeitig zum sozialen Engagement auch Pionierarbeit für die Artenvielfalt: Er züchtet und erhält als Arche-Hof vom Aussterben gefährdete Haustierrassen wie das Sattelschwein, das Deutsche Schwarzbunte Niederungsrind und die Skudden, eine norddeutsche Heide-Schafrasse.
Jede Woche verschwindet mit der zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft eine Haustierrasse von der Erde, berichtet die UN-Organisation für Landwirtschaft, FAO. Mit jeder weiteren verlorenen Tierrasse oder Pflanzensorte reißen wir ein weiteres Loch ins Netz der Artenvielfalt, dem Netz unseres Lebens. Für den Erhalt dieser Lebensgrundlage brauchen wir Höfe wie Kuhhorst mit seinen 70 engagierten Mitarbeitern. Und eine Reform der Agrarpolitik in Brüssel.
In den vergangenen Jahren ist es Bauern, Umwelt-, Tierschutz- und Verbraucherverbänden mit vereinten Kräften gelungen, den Ökolandbau in die Mitte der Gesellschaft und zu einem respektablen Marktzuwachs zu führen. Nun ist es dringend an der Zeit, genau so die Vielfalt der Rassen und Sorten, innerhalb der Landwirtschaft und am Markt zu etablieren.
Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Hof Kuhhorst zahlt sich die Zucht der alten Rassen jetzt schon aus: die Tiere haben ein ausgeglichenes Gemüt und die Kunden von Kuhhorst kommen immer wieder, um den Anblick der robusten Tiere und den ausgezeichneten Geschmack des fein marmorierten Fleisches zu kosten. Unser Glückwunsch und unsere Auszeichnung für besonders artgerechte Tierhaltung und besondere gesellschaftliche Leistungen geht daher an Herrn Heinz-Joachim Brych und seine Mitarbeiter vom Hof Kuhhorst in Fehrbellin in Brandenburg.

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